Team-Europameister

24.06.2017 | Lille | European Team Championships

Es gibt Tage, die vergisst man nicht und erzählt noch später seinen Enkeln davon. Der zweite Tag der Team-EM im französischen Lille war so ein besonderer Tag. Es war beeindruckend, hautnah dabei zu sein, wie Amanal Petros bei seinem Debüt in der Nationalmannschaft am zweiten Wettkampftag mit viel Leidenschaft den dritten Platz und neun Punkte für die deutschen Farben erkämpft hat. War schon die Nominierung eine große Ehre, so ist der Europameistertitel mit der Mannschaft eine Sahnehäubchen auf eine bislang beeindruckende Bahnsaison des Schützlings von Thomas Heidbreder.

Im seinem Rennen hat Amanal alles richtig gemacht und sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Die ersten vier Kilometer in einem eher ruhigen, weder schnellen, noch langsamen Rennen schwamm er stets an Platz drei oder vier mit. Weder von Tritten, noch von Remplern oder Schupsereien, die zu einem solchen Meisterschaftsrennen gehören, ließ er sich aus der Ruhe bringen. Selbst als ihm das Schuhband aufgetreten wurde, blieb er cool und blendete es aus. Als in der letzten Runde die Post abging, war er hellwach, blieb dran und ließ sich bis ins Ziel nicht abschütteln. Mit einer rasanten Schlussrunde von 58 Sekunden konnten sich der siegreiche Spanier Antonio Abadia, der zweitplatzierte Brite Nick Goolab und Amanal deutlich vom Rest des Feldes absetzen. Alle drei stürmten mit derselben Zeit von 13:59 ins Ziel.

Die Analyse des Events und der Leistungs von Amanal: Seit Bestehen der Team-EM hat nur ein deutscher Langstreckler über 5000m mehr Punkte als Amanal gesammelt: der große Arne Gabius, der 2014 in Braunschweig sein Rennen gewann. Das schnelligkeitsbetonte Training der letzten Jahre von Amanal hat sich wieder voll ausgezahlt. Meisterschaftsrennen werden zumeist taktisch gelaufen und die Spurtstärke ist laufentscheidend. Nun stellt sich die Gretchenfrage, welche Strecke Amanal bei der EM U23 in drei Wochen in Polen laufen will: 5000m oder 10000m? Gleichgültig wie er sich entscheidet, gerüstet ist er bestens für beide Strecken. Außerdem fielen gerade die jungen Nachwuchsathleten wie Amanal, Alina Reh oder Gina Lückenkemper (alle drei Mitglieder im Trackteam) in Lille durch ihre Leistungen und ihre Unbeschwertheit positiv auf und trugen zum letztendlich deutlichen deutschen Sieg bei.

Schließlich ist es auch ein besonderer Tag für Bielefeld. Wer die Berichterstattung in der Sportschau zum Rennen aufmerksam verfolgte, lernte nicht nur den jungen ostwestfälischen Europameister kennen, vielmehr erfuhr man, dass Amanal sich in der neuen Heimat wohlfühlt und Brackwede ein Stadtteil Bielefelds ist. Und das bundesweit übertragene Interview mit dem sympathisch und befreit lachenden und redenden Amanal war gleichermaßen Werbung für die schöne Stadt am Teutoburger Wald, die Kernsportart Leichtathletik und die Bielefelder Leichtathletik.